Das Smart Home als Sicherheitsrisiko

Nutzer von IoT-Komponenten genießen die Vorzüge des Smart Homes. Oft gesellen sich zur Freude über die Verbesserung der Lebensqualität allerdings auch Ängste hinsichtlich der Sicherheit. Es ist ein Paradoxon, da das Smart Home auch im Bereich der Sicherheit einen beträchtlichen Mehrwert verspricht. Dies reicht von der Objektüberwachung über die Simulation von Anwesenheit bis zum verbesserten Spion an der Haustür.

Nutzer mit Sicherheitsbedenken machen sich vor allem Sorgen darüber, dass ihre Daten an Dritte weitergeleitet und schlimmstenfalls als Druckmittel verwendet werden. Hacker verfolgen kriminelle Absichten und drohen mit Erpressung, Voyeure sind an nackter Haut interessiert und die Fremdsteuerung von IoT-Komponenten sind ein potenzielles Risiko, das aufgrund der nicht beherrschbaren Kräfte Ängste weckt wie bei Goethes Zauberlehrling. Ein modernes Beispiel für die mit dem Smart Home verbundenen Befürchtungen stellt der amerikanische Film „Hacked – Kein Leben ist sicher“ dar, der einen Alptraum einer gutbürgerlichen Vorortfamilie schildert, als diese systematisch nach einer böswilligen Manipulation terrorisiert wird, durch die sich das Smart Home gegen sie wendet.

Mögliche Problemfelder in Bezug auf das Internet der Dinge

Die einzelnen IoT-Komponenten werden hinsichtlich ihres Gefahrenpotenzials in vier Stufen unterschieden: Das geringste Problem stellen dabei autarke Systeme ohne Netzwerk dar, gefolgt von autarken Systemen mit Netzwerkanbindung. Problematischer sind wiederum IoT-Systeme, die Daten an den Hersteller senden. Die Spitze des Eisbergs sind schließlich Geräte, die im Rahmen des Cloud Computings (CC) existieren, das heißt weltweit mit dem Internet verbunden sind. Hier sind die Daten auch in Ländern mit wenig ausgebauten Strukturen eines gesetzlichen Datenschutzes verfügbar. Typische IoT-Produkte auf Basis von CC sind zum Beispiel smarte Lautsprecher und Sprachassistenten wie Amazon Alexa und Google Assistant.

Im Zusammenhang mit der Datensicherheit beim Smart Home werden gesellschaftlich nicht nur extreme Einzelfälle angesehen, sondern auch strukturelle Probleme infolge der zunehmenden Vernetzung, da mächtige Akteure wie staatliche, wirtschaftliche, weltanschauliche und kriminelle Gruppen dadurch generell an immer mehr Daten kommen. Wissen ist Macht, und niemand weiß genau, was die Akteure mit den Daten anstellen. Beispielsweise geben Unternehmen wie Facebook, Netflix, Google, YouTube und Amazon vor, die Daten zur Angebotsoptimierung zu benötigen. Dies ist natürlich nicht gänzlich falsch. Beunruhigend ist vielmehr, ob die Zwecke wirklich rein sachbezogen sind oder auch als Vorwand benutzt werden, um auf Kosten der Benutzer eigene Interessen zu verfolgen. In diesem Zusammenhang wird viel von „Datenkraken“ gesprochen.

Kulturübergreifende Unterschiede und die „German Angst“

Was die Sicherheitsbedenken in Bezug auf das Smart Home angeht, zeigen sich auf der Weltkarte Unterschiede, die grob als Ost-West-Gegensatz zusammengefasst werden. Tendenziell sind Asiaten technikaffin und technikbegeistert und sehen eher die Vorteile der Digitalisierung als die Nachteile. Zudem haben vor allem in China, das zurzeit das berüchtigte Sozialkreditsystem aus dem Boden stampft, das im Westen an die schlimmsten Dystopien wie Orwells „1984“ erinnert, Bürgerrechte kaum eine Bedeutung. Die im Westen weit verbreitete Befürchtung des Verlusts der bürgerlichen und individuellen Freiheitsrechte findet im Reich der Mitte keine Entsprechung, denn was nicht besessen wird, kann auch nicht verloren gehen.

Die im Land herrschende totalitäre Ideologie, nach der die Kommunistische Partei Chinas unter Xi Yinping im Einparteienstaat die Interessen des Volkes vertrete und staatliche sowie individuelle Interessen als Einheit behandelt, ist ein Gegensatz zur westlichen Gewaltenteilung seit Montesquieu. Statt Machtentfaltung herrscht im Westen tendenziell das Prinzip der Machtbeschränkung vor, damit es unmöglich ist, dass Gruppen die Macht unter den Vorwand monopolisieren, sie verträten einen allgemeinen Volkswillen. Deutschland ist wiederum ein Sonderfall, weil selbst innerhalb der westlichen Wertegemeinschaft das Sicherheitsgefühl als extrem wahrgenommen wird.

Die Ursachenforschung für die „German Angst“ ist diesbezüglich ein weites Feld. Immer wieder werden im wissenschaftlichen Kontext als Gründe dafür die unsichere Lage im Herzen des zersplitterten und früher ungemein kriegerischen Europas sowie die Katastrophen von 1618 – 1648 und 1939 – 1945 genannt, die durchaus apokalyptische Ausmaße annahmen. Hinzu kommt die von Tiefenpsychologen ausgemachte unbewusste Phobie, für die infernalischen Vergehen speziell im Zweiten Weltkrieg noch nicht genügend bestraft worden zu sein, sodass die saturierte Wohlstandsgesellschaft weniger als Realität als vielmehr als Illusion wahrgenommen wird, die wie eine Seifenblase wieder zerplatzen könne.